Neues Dach für die Mennonitenlkirche

OSTFRIESEN-ZEITUNG, SEITE 21, DONNERSTAG, 6. MÄRZ 2008

Norden - Ihr 450-jähriges Bestehen feierte die Norder Mennonitengemeinde in diesem Sommer. Die knapp 60 Mitglieder zählende Gruppe ist damit eine der ältesten Mennonitengemeinden in Deutschland. Jetzt soll das Tragwerk und das Dach ihrer Stadtbild prägenden Kirche am Norder Marktplatz renoviert werden. Das 1662 als Privathaus von Dr. Engelbert Kettler erbaute Haus wurde nach dem Umbau 1797 als Kirche im Rokokostil eröffnet. Anfang des 20. Jahrhunderts bekam die Kirche vom Norder Malermeister Themann einen neuen Innenanstrich. Bis heute ist nicht bekannt, was den Kirchenrat dazu bewog, mit der Tradition der schlichten Mennonitenkirchen zu brechen und die aufwändige Schablonenmalerei zuzulassen. Nach der Restauration der Pastorenwohnung Mitte der 90er Jahre sowie einer Renovierung der Außenfassade vor zwei Jahren ist es laut Wllheim Lienstromberg vom Monumentendienst „höchste Zeit" für eine umfassende Renovierung von Dach und Gebälk. Bereits Ende November soll mit den Arbeiten begonnen werden.
„Das Dach ist undicht und wichtige Stützbalken sind verfault", so Dachdeckermeisterin Petra Schnell von der Firma Dächer von Schnell aus Emden, die die Arbeiten leiten wird. Die Expertin für historische Bedachungen hat eine seitenlange Referenzliste. Unter anderem hat sie an der Neueindeckung des Kölner Doms mitgewirkt. Kirchenvorstandsmitglied Hannelore Arjes: „Es war uns wichtig, dass der Auftrag in Ostfriesland vergeben wurde. Schön, dass es hier Betriebe gibt, die sich in diesen traditionellen Handwerksbereichen auskennen." Laut Dachdeckermeisterin Schnell ist statt der Kettensäge auf der Baustelle am Norder Marktplatz viel mehr die traditionelle Handwerkskunst gefragt, „Diese Dachkonstruktion der Mennonitenkirche ist einmalig", erklärt Lienstromberg bei einem Ortstermin. „Auf dem liegenden Dachstuhl ist ein Satteldach errichtet, das in ein Tonnendach übergeht." Seine Mitarbeiter vom Monumentendienst, der, für die Wartung und Betreuung von Baudenkmälern der Region zuständig ist und sich neben Mitteln aus den Landkreisen auch durch Fördergelder des Landes Niedersachsen und der Europäischen Union trägt, betreuen die Mennonitenkirche seit zwei Jahren und beraten die Gemeinde auch während der Renovierungsphase:

Rund 170 000 Euro wird das Gesamtvorhaben verschlingen. „Eine Summe, die wir alleine nicht aufbringen können", so Kirchenvorstandsmitglied Arjes. Deswegen wurden die Arbeiten in zwei Bauabschnitte unterteilt. „im ersten Abschnitt werden wir einen maroden Schornstein entfernen und die Krömmer ersetzen", so Schnell. Diese Krummständer, in der Fachsprache als Krömmer bezeichnet, sind das tragende Element zwischen Mauerwerk und Dach. Die morschen Balken halten den unglaublichen Kräften nicht mehr Stand. „Es ist schwierig, solche Krummständer heute zu bekommen", so Schnell. Sie setzt auf ihre guten Kontakte zu den Förstern der Region. „Für die Herstellung eines Krömmers wird eine schiefe Eiche mit der entsprechenden Winkelung benötigt. Früher wurden solche Bäume speziell angebaut", erklärt Lienstromberg. Der zweite Bauabschnitt, der die Eindeckung des Tonnendaches sowie die Restauration des kleinen Turms umfasst, soll bis 2008 abgeschlossen sein. „Vor rund 30 Jahren wurde das Dach mit einer aluminiumbeschichteten Dachpappe gedeckt. Die ist jetzt abgängig", so Schnell. Ob eine Zink- oder eine Bleiabdeckung das Dach krönen soll, steht noch aus, bis der Kirchenvorstand Ende des Monats eine Entscheidung gefällt hat. „Ich plädiere für Blei. Es ist zwar teurer, aber dafür auch haltbarer. Die Materialien der alten Bleiabdeckung des Kölner Doms aus dem 16. Jahrhundert hätte man durchaus noch wieder verwenden können."

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Dachdeckermeisterin Petra Schnell wird die
Restaurierungsarbeiten leiten. Sie verpasste bereits dem Kölner
Dom ein neues Dach. FOTO: GLEICH

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